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LogistikSeefrachtStrategie

Incoterms 2026 erklärt: EXW, FOB, CIF, DDP im praktischen Vergleich

·9 Min. Lesezeit

Incoterms regeln, wer Kosten, Risiko und Formalitäten in einer internationalen Lieferung trägt. Ein falscher Incoterm kann eine sonst profitable Bestellung in ein Verlustgeschäft verwandeln. Dieser Guide zeigt die vier wichtigsten Regeln für den China-Import und wann welche sinnvoll ist.

Warum Incoterms zählen

Die International Commercial Terms der ICC sind ein weltweit standardisiertes Regelwerk. Sie definieren an welchem Punkt der Lieferkette Risiko und Kosten vom Verkäufer auf den Käufer übergehen — und wer für Zoll, Export- und Importformalitäten zuständig ist. Die aktuelle Fassung sind die Incoterms 2020, gültig bis zur nächsten planmäßigen Revision.

Schnellübersicht: Die 4 relevantesten für den China-Import

IncotermKostenübergangWer trägt Fracht?Wer trägt Zoll (EU)?
EXW Ex WorksAb Werk ChinaKäuferKäufer
FOB Free on BoardAn Bord Hafen ChinaKäuferKäufer
CIF Cost, Insurance & FreightAn Bord Hafen China*VerkäuferKäufer
DDP Delivered Duty PaidLieferadresse EUVerkäuferVerkäufer

* Bei CIF geht das Risiko im Verladehafen über, obwohl der Verkäufer die Fracht bis zum Zielhafen bezahlt — eine der häufigsten Fehlerquellen.

Deep Dive: EXW (Ex Works)

Der Verkäufer stellt die Ware am Werkstor bereit. Alles danach — Abholung, Export-Zoll, Fracht, Import-Zoll, Endlieferung — trägt der Käufer.

Sinnvoll wenn: Sie einen eigenen Agenten oder eine erfahrene Spedition in China haben. Risiko: Ohne China-Präsenz übernehmen Sie den Export-Formalismus (Zoll, MRN, Handelsrechnung) — das ist ohne Ortskenntnis heikel.

Beispiel: 1 CBM Ware, Werks-Preis 3.000 EUR ab Shenzhen. Sie zahlen zusätzlich Truck zum Hafen (≈ 120 EUR), chinesische Export-Deklaration (≈ 80 EUR), Terminal Handling China (≈ 90 EUR).

Deep Dive: FOB (Free on Board)

Standard für 90 % aller China-Container-Importe. Der Verkäufer trägt alle Kosten und Formalitäten bis das Frachtgut an Bord des Schiffes im vereinbarten chinesischen Hafen liegt. Ab da übernimmt Ihre Spedition.

Sinnvoll wenn: Sie mit einer europäischen Spedition arbeiten, die einen Partner in China hat. Sie sichern sich Marktkonditionen für Seefracht und vermeiden den intransparenten Fracht-Aufschlag chinesischer Fabrik-Spediteure.

Beispiel FOB Shenzhen: 1 × 20'-Container. Werks-Preis 15.000 EUR FOB. Seefracht Shenzhen–Hamburg (Ihr Vertrag): 1.400 EUR. Terminal Handling DE + Zoll + EUSt separat.

Deep Dive: CIF (Cost, Insurance & Freight)

Der Verkäufer bezahlt Fracht und Mindestversicherung bis zum Zielhafen. Bequem — aber der Fracht-Aufschlag der Fabrik liegt typischerweise 20–40 % über Marktkonditionen. Die enthaltene Versicherung deckt oft nur Institute Cargo Clauses (C) — die günstigste Variante mit vielen Ausschlüssen.

Achtung: Risiko geht bereits im Verladehafen über. Geht der Container über Bord, ist Ihr Anspruch gegen die Fracht-Versicherung — nicht gegen den Verkäufer.

Sinnvoll wenn: Einmalige Kleinstsendung, keine eigene Spedition, Bequemlichkeit > Preis.

Deep Dive: DDP (Delivered Duty Paid)

Maximale Bequemlichkeit: Der Verkäufer liefert bis zu Ihrer deutschen Adresse, verzollt, einfuhrumsatzsteuer-bezahlt. Sie unterschreiben nur die Anlieferung.

Achtung: Viele „DDP"-Angebote aus China nutzen graue Zollkanäle — Ware wird über Osteuropa mit unterbewerteter Rechnung eingeführt. Das ist illegal und stellt Sie als Empfänger in die Haftung. Seriöses DDP kostet.

Sinnvoll wenn: Sie eine sehr kleine Sendung ohne Import-Setup haben oder ausdrücklich einen zertifizierten DDP-Anbieter beauftragen.

Kostenvergleich: Gleiche Sendung, 4 Incoterms

Beispielsendung: 1 × 20'-Container Elektronikzubehör, Warenwert 15.000 EUR, ab Shenzhen nach Düsseldorf.

PositionEXWFOBCIFDDP
Werkspreis15.00015.00015.00015.000
Transport zum Hafen + Export290inkl.inkl.inkl.
Seefracht Shenzhen–Hamburg1.4001.400ca. 1.900*inkl.
Versicherung9090inkl. (nur ICC-C)inkl.
Terminal Handling DE + Zollagent380380380inkl.
Zoll (Beispiel 3 %)514514537inkl.
Trucking Hamburg → Düsseldorf420420420inkl.
DDP-Aufschlag~2.400
Landed Cost (ohne EUSt)18.09417.80418.237~19.400

* Fabrik-Spediteur schlägt typischerweise 30–40 % auf Marktrate auf.

Entscheidungsrahmen

  • Sie haben eine Spedition mit China-Netzwerk?FOB.
  • Sie kombinieren mehrere 1688-/Werks-Bestellungen?EXW + Konsolidierer in China.
  • Erste Testbestellung, keine Import-Erfahrung, kleines Volumen?DDP (zertifizierter Anbieter).
  • CIF? → In den meisten Fällen keine gute Wahl — versteckte Marge, oft unzureichende Versicherung.

Häufige Fehler deutscher Importeure

  1. „CIF Düsseldorf" verhandeln: CIF endet immer im Hafen. Für Binnenland gäbe es CIP — aber besser gleich FOB + eigene Spedition.
  2. DDP-Preise unkritisch akzeptieren: Prüfen, ob Zollagent, Rechnungsstellung und EORI-Nummer korrekt sind. Sonst haften Sie als Empfänger.
  3. FOB mit „nominated forwarder" der Fabrik: Fabrik empfiehlt „ihre" Spedition — die schlägt am Zielort intransparente Gebühren auf. Immer eigene Spedition benennen.
  4. Fehlende Fracht-Versicherung bei FOB: Risiko geht im Hafen China auf Sie über — ohne Ihre eigene Cargo-Versicherung tragen Sie ab dort das Totalrisiko.

Fazit

Für die überwältigende Mehrheit skalierender Importeure ist FOB der Sweetspot: transparente Fracht-Kosten, klare Verantwortungsgrenze, marktübliche Konditionen. DDP kann für Einstiege oder Kleinstsendungen sinnvoll sein, ist aber selten die günstigste Wahl.

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