Qualitätskontrolle in China: So funktioniert AQL 2.5 wirklich
Ohne unabhängige Qualitätskontrolle vor Verschiffung ist jeder China-Import ein kalkulatorisches Risiko. AQL nach ISO 2859-1 ist der international etablierte Standard — und mit dem richtigen Vorgehen zügig umsetzbar.
Was AQL bedeutet
Der Acceptable Quality Limit (AQL) ist definiert in ISO 2859-1 (Attributprüfung mit Stichproben). Er legt fest, wie viele fehlerhafte Einheiten in einer Stichprobe maximal zulässig sind, damit die Charge als angenommen gilt. Für Consumer-Goods sind AQL 2.5 für Major Defects und AQL 4.0 für Minor Defects gängige Werte.
Stichprobengröße nach ISO 2859-1
Die Stichprobengröße ergibt sich aus der Losgröße und dem gewählten Prüfniveau (üblich: General Inspection Level II). Beispielhaft aus den Tabellen der Norm:
- Losgröße 501–1.200 → Stichprobe 80
- Losgröße 1.201–3.200 → Stichprobe 125
- Losgröße 3.201–10.000 → Stichprobe 200
Defect-Klassen
- Critical: Sicherheitsrelevant — keine Toleranz.
- Major: Funktion oder Optik gestört, Vollpreis-Verkauf unmöglich.
- Minor: Geringfügige Abweichung, die vom Kunden üblicherweise akzeptiert wird.
Was ein guter QC-Bericht enthält
- Fotos der gefundenen Defekte mit Maßstab und Beschreibung.
- Karton-Drop-Test nach anerkannter Methodik (etwa ISTA 1A oder ähnlich).
- Prüfung von Verpackung, Etikettierung und Bedienungsanleitung in Landessprache.
- Barcode-Scan-Test bei Amazon-FBA-Sendungen.
- Klare Entscheidung: PASS, HOLD oder FAIL.
Warum vor der Restzahlung?
Nach vollständiger Zahlung entfällt der wichtigste Verhandlungshebel. Wird die Ware erst im Zielland geprüft und beanstandet, ist die Rechtsdurchsetzung gegen einen chinesischen Hersteller in der Praxis aufwendig. Deshalb: unabhängige QC am Fließband, Restzahlung erst nach PASS.